Differentialgleichungen · Wärmeleitungsgleichung

Wärmeleitungsgleichung

Die Wärmeleitungsgleichung uₜ = uₓₓ besagt: Die Temperaturänderung an jedem Punkt wird davon bestimmt, wie sich die Temperaturkurve dort krümmt. Auf einem Stab glättet sie jeden Hügel; die feinsten verschwinden zuerst.

Die Wärmeleitungsgleichung in dieser Visualisierung

Oben steht die Temperatur uu entlang eines Stabs von 0 bis π\pi: blass zu Beginn, gelb zur Zeit tt. Blaue Pfeile zeigen, wie schnell jeder Punkt wärmer oder kälter wird. Darunter ist der Stab nach Temperatur eingefärbt. Die unterste Reihe zeigt die Größe jeder Sinusmode auf einer logarithmischen Skala, bei isolierten Enden stattdessen die Kosinusmoden.

Die zeitliche Änderungsrate ist die zweite Ableitung entlang des Stabs
ut=uxxu_t = u_{xx}

Warum ändert sich ein Punkt dort am schnellsten, wo sich die Kurve am stärksten biegt? Für einen kleinen Abstand hh gilt uxx(x)≈(u(x−h)+u(x+h)−2u(x))/h2u_{xx}(x) \approx \bigl(u(x-h) + u(x+h) - 2u(x)\bigr)/h^2: also 2/h22/h^2 mal die Differenz zwischen dem Mittelwert der beiden Nachbarn und u(x)u(x). Bei uxx>0u_{xx} > 0 krümmt sich die Kurve nach oben; der Punkt liegt unter dem Mittel seiner nahen Nachbarn und wird wärmer. Bei uxx<0u_{xx} < 0 kühlt er ab. Auf einem geraden Abschnitt gilt ut=0u_t = 0, wie heiß er auch ist. Die Sonde kann dies mit zwei nahen Nachbarn und ihrem Mittelwert zeigen. Sprünge und Ecken werden sofort glatt: Für jedes t>0t > 0 ist die Temperaturkurve glatt.

Warum verschwinden feine Wellen zuerst? Eine einzelne Mode, sin⁡kx\sin kx bei auf 0 gehaltenen Enden oder cos⁡kx\cos kx bei isolierten Enden, erfüllt uxx=−k2uu_{xx} = -k^2 u. Sie behält daher ihre Form und schrumpft nur um den Faktor e−k2te^{-k^2 t}. Dreimal so viele Wellen bedeuten bei gleicher Höhe eine neunmal so große zweite Ableitung und einen neunmal so schnellen Abfall. Jede Anfangstemperatur ist eine Summe solcher Moden; deshalb fallen die Balken unten von rechts her ab: Mode kk sinkt nach tk=ln⁡10/k2t_k = \ln 10/k^2 unter 10% ihres Anfangswerts. Auf der logarithmischen Uhr beseitigt jede Verzehnfachung der Zeit etwa 10≈3.2\sqrt{10} \approx 3.2-mal so breite Moden. Das rote Lineal 2t2\sqrt t zeigt diese Skala: Eine einzelne Mode, deren halbe Wellenlänge nicht größer als das Lineal ist, behält höchstens e−π2/4≈8.48%e^{-\pi^2/4} \approx 8.48\% ihrer Amplitude.

Was ändern die Enden? Auf 0 gehalten entsprechen sie Eis, und uu wird relativ zur Eistemperatur gemessen. Mit der Zeit bestimmt die niedrigste vorhandene Mode die Form. Ist die Anfangstemperatur nirgends negativ und nicht überall null, fließt Wärme durch die Enden ab, ∫u dx\int u\,dx nimmt ab und die Form wird zu einem Sinusbogen, der wie e−te^{-t} absinkt. Durch isolierte Enden fließt keine Wärme; ∫u dx\int u\,dx bleibt deshalb konstant. Die Moden sind dann Kosinusse, und die Mode k=0k = 0, die mittlere Temperatur, fällt nie ab: Der ganze Stab nähert sich seinem Mittelwert. Beide Randbedingungen gelten ab t=0t = 0. Passt die Anfangstemperatur am Ende nicht dazu, wie beim gleichmäßig warmen Stab zwischen Eis, wird sie dort sofort angepasst.

Worauf du achten kannst

  • Alle Pfeile haben denselben Maßstab, bestimmt vom schnellsten Punkt in diesem Moment. Die Legende nennt die Änderungsrate des Referenzpfeils. Vergleiche Pfeillängen nur innerhalb eines Zeitpunkts, nicht zwischen verschiedenen Zeiten.
  • Temperaturen unterhalb der Eistemperatur sind negativ. Bei auf 0 gehaltenen Enden wird für einen Anfangszustand mit beiden Vorzeichen der Nettowert ∫u dx\int u\,dx statt eines Anteils angezeigt.

Bedienung

  • „Diffusion“ hinterlässt bei jeder Verzehnfachung der Zeit eine blasse Momentaufnahme.
  • Klicke auf den Stab, um die Sonde dorthin zu bewegen.
  • Wähle „Zeichnen“ und ziehe über die obere Grafik, um die Anfangstemperatur festzulegen. Dabei geht tt auf 0 zurück.

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