Gray–Scott-Modell

Reaktion–Diffusion

In einem Reaktions-Diffusions-System reagieren Stoffe miteinander und breiten sich zugleich aus. Dabei entstehen von selbst Flecken, Streifen und Spiralen.

Reaktion–Diffusion in dieser Visualisierung

Ein Reaktions-Diffusions-System ist ein System partieller Differentialgleichungen für die Konzentrationen von Stoffen, die miteinander reagieren und zugleich räumlich diffundieren. Jede Konzentration cic_i ändert sich durch einen Reaktionsterm plus den Diffusionsterm Di∇2ciD_i \nabla^2 c_i. Bei unterschiedlichen Diffusionsraten können aus einer gleichmäßigen Mischung Flecken, Streifen und laufende Wellen entstehen. Solche Systeme modellieren chemische Wellen, elektrische Wellen im Herzen und – als einen vorgeschlagenen Mechanismus – Fellzeichnungen. Diese Seite simuliert eines davon, das Gray–Scott-Modell.

Das Gray–Scott-Modell

Zwei Stoffe reagieren nach A + 2B → 3B: B wandelt A in weiteres B um. Frisches A wird mit Rate ff zugeführt, B mit Rate f+kf + k entfernt; A diffundiert doppelt so schnell wie B.

∂A∂t=DA∇2A−AB2+f (1−A)∂B∂t=DB∇2B+AB2−(k+f) B\begin{aligned} \frac{\partial A}{\partial t} &= D_A \nabla^2 A - AB^2 + f\,(1 - A) \\ \frac{\partial B}{\partial t} &= D_B \nabla^2 B + AB^2 - (k + f)\,B \end{aligned}

Die Seite berechnet diese Gleichungen schrittweise auf einem Gitter auf deiner Grafikkarte nach Karl Sims (Neun-Punkt-Laplace-Operator, Zeitschritt 1, explizites Euler-Verfahren): eine numerische Näherung, keine exakte Lösung.

Was das Bild zeigt

Die Farbe jedes Punkts zeigt eine Mischung der beiden Konzentrationen: An einem Ende der Palette liegt die leere Schale (nur A, kein B), am anderen das Innere eines Musters. Darstellungsstile und Reliefbeleuchtung dienen nur der Anzeige. Die Schale hat keine Wände: Links schließt an rechts an, oben an unten (ein Torus). Ein Muster, das eine Seite verlässt, erscheint auf der anderen wieder.

Häufige Missverständnisse

Geschichte

Turing zeigte 1952, dass unterschiedliche Diffusion eine stabile, gleichmäßige Mischung instabil machen kann, sodass aus kleinen Schwankungen Muster wachsen [1]. Gray und Scott untersuchten autokatalytische Reaktionen in einem kontinuierlich gespeisten Rührkessel [2]. Mit Diffusion ergänzt ergeben ihre Gleichungen das Gray–Scott-Modell. Pearson simulierte es 1993 in zwei Dimensionen und kartierte etwa ein Dutzend Mustertypen in der (f,k)(f, k)-Ebene [3].

Verwandte Begriffe

Turing-Muster (Seite geplant) · Belousov–Zhabotinsky-Reaktion · Morphogenese · Musterbildung

Quellen

  1. A. M. Turing, “The chemical basis of morphogenesis”, Philosophical Transactions of the Royal Society of London B 237 (1952) 37–72. doi:10.1098/rstb.1952.0012
  2. P. Gray, S. K. Scott, “Autocatalytic reactions in the isothermal, continuous stirred tank reactor: isolas and other forms of multistability”, Chemical Engineering Science 38 (1983) 29–43. doi:10.1016/0009-2509(83)80132-8
  3. J. E. Pearson, “Complex patterns in a simple system”, Science 261 (1993) 189–192. doi:10.1126/science.261.5118.189

Weiterführende Literatur: Wikipedia: Reaction–diffusion system (Englisch); MacTutor zur Geschichte der Mathematik: Alan Mathison Turing (Englisch).