Fourieranalyse · Fourierreihe

Fourierreihe

Eine Fourierreihe schreibt eine periodische Funktion als Summe von Sinus- und Kosinustermen: a₀/2 + Σ (aₖ cos kx + bₖ sin kx). Jeder Koeffizient wird einzeln gemessen: die Funktion mit einer Welle multiplizieren und die vorzeichenbehaftete Fläche bestimmen.

Fourierreihen in dieser Visualisierung

Oben erscheint eine Funktion ff mit Periode 2π2\pi in Tintenfarbe, ihre Teilsumme SNS_N in Gelb: der konstante Term und alle Kosinus- und Sinusterme bis zur Frequenz NN. Der Streifen darunter multipliziert ff mit einer Sondenwelle und schattiert die vorzeichenbehaftete Fläche zwischen Produkt und Achse. Unten stehen die so gefundenen Koeffizienten, Kosinus oben und Sinus unten.

Jeder Koeffizient ist eine Fläche
ak=1π∫−ππf(x)cos⁡kx dx,bk=1π∫−ππf(x)sin⁡kx dxa_k = \frac{1}{\pi}\int_{-\pi}^{\pi} f(x)\cos kx\,dx, \qquad b_k = \frac{1}{\pi}\int_{-\pi}^{\pi} f(x)\sin kx\,dx

Warum wählt eine Fläche genau einen Koeffizienten aus, obwohl ff alle Wellen zugleich enthält? Über eine volle Periode hat das Produkt zweier verschiedener Wellen aus 1,cos⁡x,sin⁡x,cos⁡2x,sin⁡2x,…1, \cos x, \sin x, \cos 2x, \sin 2x, \dots die vorzeichenbehaftete Fläche null. Ein Sinus oder Kosinus mit sich selbst multipliziert hat dagegen die Fläche π\pi. Multipliziert man eine Summe dieser Wellen mit sin⁡kx\sin kx und integriert, verschwinden daher alle Terme außer bksin⁡kxb_k \sin kx; übrig bleibt πbk\pi b_k. Im Beispiel mit zwei Sinuswellen zerlegt der Streifen das Produkt in zwei Teile. Der Anteil mit der anderen Frequenz hebt sich selbst auf. Die Wellen verhalten sich wie senkrechte Achsen, und jeder Koeffizient ist die Projektion auf eine davon. Ein neuer Term verändert deshalb die bereits gemessenen Koeffizienten nicht.

Mit genügend Termen schwingen die Teilsummen neben einem Sprung über. Wenn NN wächst, wird die Spitze schmaler und rückt an den Sprung, doch das Überschwingen verschwindet nicht: Bei der Rechteckwelle nähert sich der Überschuss etwa 8.949% der Sprunghöhe. Jede Teilsumme SNS_N ist stetig und muss den Sprung daher über ein kurzes Stück überbrücken. Auf jedem Intervall, das den Sprung enthält, kann ihr größter Fehler deshalb nicht gegen 0 gehen. Stetigkeit allein legt die Höhe nicht fest: Die 8.949% ergeben sich aus der Berechnung der Teilsummen. Jeder Sprung einer stückweise glatten Funktion führt letztlich zu demselben Anteil.

Glattere Funktionen brauchen weniger Terme. Hier bezeichnet ff die unendlich oft wiederholte Funktion. Nicht zusammenpassende Enden bei ±π\pm\pi bilden daher ebenfalls einen Sprung. Partielle Integration verlagert die Ableitung von der Welle auf ff und liefert einen Faktor 1/k1/k. Bei einem Sprung hinterlässt schon der erste Schritt einen Randterm mit Faktor 1/k1/k: Für ungerades kk hat die Rechteckwelle bk=4/(kπ)b_k = 4/(k\pi), für gerades kk den Wert 0. Ist ff stetig und springt nur die Steigung, wie an den Ecken der Dreieckwelle, gelingt der erste Schritt ohne diesen Randterm; erst der zweite hinterlässt ihn. Die Koeffizienten fallen deshalb wie 1/k21/k^2. Vergleiche auf der logarithmischen Skala die Balken mit den gestrichelten Linien 1/k1/k und 1/k21/k^2.

Die Energieanzeige wendet dieselbe Rechtwinkligkeit auf Quadrate an. Das Integral von f2f^2 zerfällt in die Quadrate der Koeffizienten, ohne gemischte Terme: 1π∫−ππf(x)2 dx=a022+∑k≥1(ak2+bk2).\frac{1}{\pi}\int_{-\pi}^{\pi} f(x)^2\,dx = \frac{a_0^2}{2} + \sum_{k \ge 1} \left(a_k^2 + b_k^2\right). Angezeigt wird, welchen Anteil dieser Gesamtenergie SNS_N bereits enthält. Der Rest ist der auf dieselbe Weise gemessene quadratische Fehler. Bei der Rechteckwelle enthält S1S_1 etwa 81% und S9S_9 etwa 96%, obwohl das Überschwingen bleibt: Eine schmale Spitze trägt wenig Fläche bei. Eine Teilsumme kann ff im Mittel nahekommen und trotzdem am Sprung stark abweichen.

Worauf du achten kannst

  • Der konstante Term wird a0/2a_0/2 geschrieben, damit die Kosinusformel auch k=0k = 0 umfasst. Die konstante Sonde misst direkt a0/2a_0/2, den Mittelwert von ff.
  • Ungerade Funktionen wie die Rechteckwelle haben nur Sinusterme, gerade Funktionen wie ∣sin⁡x∣|\sin x| nur Kosinusterme. Deshalb bleibt eine Reihe im Spektrum leer.

Bedienung

  • Klicke auf einen Balken im Spektrum, um die Sonde dorthin zu bewegen.
  • Wähle „Zeichnen“ und ziehe im oberen Diagramm über eine Periode. Deine Punkte werden durch Geradenstücke verbunden und auf beiden Seiten wiederholt.

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