Lineare Algebra · Orthogonale Projektion

Orthogonale Projektion

Die orthogonale Projektion eines Vektors b auf einen Unterraum ist der Punkt p des Unterraums, der b am nächsten liegt. Der Fehler e = b − p steht senkrecht auf dem Unterraum, und jeder andere Punkt q darin ist weiter entfernt: |b − q|² = |e|² + |p − q|².

Orthogonale Projektion in dieser Visualisierung

Die orthogonale Projektion findet den Punkt eines Unterraums, der einem gegebenen Vektor am nächsten liegt. Hier ist der Unterraum SS eine Ebene oder eine Gerade durch den Ursprung O, und der Vektor ist b⃗\vec b. Seine Projektion p⃗\vec p liegt in SS, und der Fehler e⃗=b⃗−p⃗\vec e = \vec b - \vec p steht senkrecht auf SS. Du kannst b⃗\vec b bewegen, SS verändern, p⃗\vec p mit jedem anderen Punkt von SS vergleichen und beobachten, wann die Schatten von b⃗\vec b auf zwei Achsen zusammen p⃗\vec p ergeben.

Warum liefert der rechte Winkel den nächstgelegenen Punkt? Wähle einen anderen Punkt qq in SS. Die Strecke von qq nach p⃗\vec p liegt in SS und steht daher senkrecht auf e⃗\vec e. Die Punkte b⃗\vec b, p⃗\vec p und qq bilden ein rechtwinkliges Dreieck mit dem rechten Winkel bei p⃗\vec p. Nach Pythagoras gilt

Jeder andere Punkt von S ist weiter entfernt
∣b⃗−q∣2=∣e⃗∣2+∣p⃗−q∣2|\vec b - q|^2 = |\vec e|^2 + |\vec p - q|^2

Also ist b⃗\vec b von qq weiter entfernt als von p⃗\vec p, es sei denn, qq ist p⃗\vec p selbst. Auch die Umkehrung gilt: Wäre e⃗\vec e in eine Richtung innerhalb von SS geneigt, könnte man p⃗\vec p ein wenig dorthin verschieben und so näher an b⃗\vec b bringen. In einer Ebene ist der nächste Punkt also derjenige, bei dem e⃗\vec e sowohl auf u⃗\vec u als auch auf w⃗\vec w senkrecht steht. Auf einer Geraden genügt die Senkrechte zu u⃗\vec u.

Um p⃗\vec p zu finden, nutzt man diese rechten Winkel. Auf einer Geraden ist p⃗\vec p ein Vielfaches von u⃗\vec u, und die Bedingung e⃗⋅u⃗=0\vec e\cdot\vec u = 0 legt diesen Faktor fest:

Projektion auf eine Gerade
p⃗=u⃗⋅b⃗u⃗⋅u⃗ u⃗\vec p = \frac{\vec u\cdot\vec b}{\vec u\cdot\vec u}\,\vec u

In einer Ebene schreibt man p⃗=c1u⃗+c2w⃗\vec p = c_1\vec u + c_2\vec w. Die beiden Bedingungen e⃗⋅u⃗=0\vec e\cdot\vec u = 0 und e⃗⋅w⃗=0\vec e\cdot\vec w = 0 werden zu zwei linearen Gleichungen für c1c_1 und c2c_2, den Normalgleichungen:

Die Normalgleichungen
(u⃗⋅u⃗) c1+(u⃗⋅w⃗) c2=u⃗⋅b⃗,(w⃗⋅u⃗) c1+(w⃗⋅w⃗) c2=w⃗⋅b⃗(\vec u\cdot\vec u)\,c_1 + (\vec u\cdot\vec w)\,c_2 = \vec u\cdot\vec b,\qquad (\vec w\cdot\vec u)\,c_1 + (\vec w\cdot\vec w)\,c_2 = \vec w\cdot\vec b

Die Anzeige gibt p⃗\vec p sowohl in Koordinaten als auch als Kombination von u⃗\vec u und w⃗\vec w an. Ziehe u⃗\vec u und w⃗\vec w innerhalb derselben Ebene: Die Koeffizienten ändern sich, p⃗\vec p jedoch nicht. Die Projektion hängt nur vom Unterraum ab, nicht von den Vektoren, mit denen man ihn beschreibt.

Stehen u⃗\vec u und w⃗\vec w senkrecht aufeinander, entkoppeln sich die beiden Gleichungen. Jeder Koeffizient hängt dann nur von einer Achse ab, und p⃗\vec p ist einfach die Summe der Schatten von b⃗\vec b auf den beiden Achsen:

Nur bei senkrechten Achsen
p⃗=b⃗⋅u⃗u⃗⋅u⃗ u⃗+b⃗⋅w⃗w⃗⋅w⃗ w⃗\vec p = \frac{\vec b\cdot\vec u}{\vec u\cdot\vec u}\,\vec u + \frac{\vec b\cdot\vec w}{\vec w\cdot\vec w}\,\vec w

Bei schiefen Achsen funktioniert diese Abkürzung meist nicht. Jeder Schatten wird so bestimmt, als gäbe es die andere Achse nicht. Ihre Summe ss liegt daher meist nicht bei p⃗\vec p. Dann zeigt die Anzeige, dass b⃗−s\vec b - s mindestens einen der beiden rechten Winkel verfehlt. w senkrecht zu u stellen ersetzt w⃗\vec w durch seinen zu u⃗\vec u senkrechten Anteil — einen Schritt des Gram-Schmidt-Verfahrens. Die Ebene bleibt dieselbe, doch ihre beiden Achsen stehen nun senkrecht aufeinander. Die Schatten ergeben dann für jedes b⃗\vec b genau p⃗\vec p.

Die Diagonale durch (1,1,1)(1, 1, 1) liefert ein vertrautes Beispiel. Projiziert man b⃗\vec b auf sie, wird jeder Eintrag von b⃗\vec b durch den Mittelwert aller Einträge ersetzt. ∣e⃗∣2|\vec e|^2 ist die Summe der quadrierten Abweichungen von diesem Mittelwert. Die Methode der kleinsten Quadrate bei der Regression verwendet dieselbe Art von Projektion.

Bedienung

  • Der Punkt an b⃗\vec b bewegt den Vektor parallel zu SS, und p⃗\vec p folgt. Der kleine Ring außerhalb des Punktes bewegt b⃗\vec b senkrecht zu SS, während p⃗\vec p an Ort und Stelle bleibt.
  • Ist Ebene gewählt, lassen sich u⃗\vec u und w⃗\vec w nur innerhalb ihrer Ebene ziehen. Um die Ebene zu ändern, gib neue Koordinaten ein oder nutze die Wertetasten.

Verwandte Themen