Analysis · Taylorreihe

Taylorreihe

Eine Taylorreihe nutzt die Ableitungen an einer Stelle, um aufeinanderfolgende Polynomnäherungen zu bilden. Füge Terme hinzu und verschiebe die Entwicklungsstelle, um zu erkunden, wo die Näherung besser wird und wo die Reihe nicht mehr konvergiert.

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Taylorreihen in dieser Visualisierung

Die Taylorreihe (Taylorentwicklung) einer Funktion ff an einer Stelle aa ist die aus ihren dortigen Ableitungen gebildete Potenzreihe; für a=0a = 0 heißt sie auch Maclaurin-Reihe. Die Entwicklungsstelle wird auch x0x_0 geschrieben. Ihre Partialsumme bis zum Grad nn ist das Taylorpolynom PnP_n, das einzige Polynom vom Grad höchstens nn, dessen Wert und erste nn Ableitungen bei aa mit denen von ff übereinstimmen:

Taylorpolynom
Pn(x)=∑k=0nf(k)(a)k! (x−a)k.P_n(x) = \sum_{k=0}^{n} \frac{f^{(k)}(a)}{k!}\,(x-a)^k.

Die dunkle Kurve ist ff, die gelbe PnP_n, und der blaue Punkt markiert die Entwicklungsstelle aa. Der gelbe Balken auf der xx-Achse ist ein Messwert: das weiteste Intervall ∣x−a∣<r|x - a| < r, auf dem ∣f(x)−Pn(x)∣<0.01|f(x) - P_n(x)| < 0.01 gilt. Dazu werden Punkte im Abstand 0.0025 auf beiden Seiten von aa geprüft und die erste Überschreitung genauer bestimmt; angezeigt wird ein abgerundeter Wert. Die blauen Klammern liegen bei a±Ra \pm R, wobei R der Konvergenzradius ist: Die Reihe konvergiert für ∣x−a∣<R|x - a| < R und divergiert für ∣x−a∣>R|x - a| > R. Bei den sieben Funktionen hier ist die Summe innerhalb dieses Intervalls die Funktion ff selbst, und RR ist der Abstand von aa zur nächsten Singularität von ff, einschließlich komplexer Punkte.

Wie weit PnP_n bei einem gegebenen xx von ff abweicht, misst das Restglied. Besitzt ff auf dem gesamten Intervall zwischen aa und xx insgesamt n+1n + 1 Ableitungen (das Intervall darf also keine Singularität wie die Polstelle von 1/(1−x)1/(1 - x) bei 1 überschreiten), dann gilt

Restglied in Lagrange-Form
f(x)−Pn(x)=f(n+1)(ξ)(n+1)! (x−a)n+1fu¨r ein ξ zwischen a und x.f(x) - P_n(x) = \frac{f^{(n+1)}(\xi)}{(n+1)!}\,(x-a)^{n+1}\quad\text{für ein } \xi \text{ zwischen } a \text{ und } x\text{.}
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Was auffällt

  • Innerhalb des Radius konvergieren die Partialsummen hier gegen ff. An jedem solchen xx geht der Fehler daher bei wachsendem nn gegen 0, auch wenn er nicht bei jedem einzelnen Schritt kleiner werden muss. Außerhalb gehen die Terme nicht gegen 0 und Pn(x)P_n(x) nähert sich keinem Grenzwert. Der Balken nähert sich RR nur an: Er wird in der Bildschirmdarstellung gemessen, während RR aus der Formel stammt.
  • Eine Funktion kann auf der ganzen reellen Zahlengeraden glatt sein und trotzdem einen endlichen Radius haben. 1/(1+x2)1/(1 + x^2) ist an den komplexen Punkten ±i\pm i nicht definiert; seine Reihe um aa konvergiert daher nur für ∣x−a∣<1+a2|x - a| < \sqrt{1 + a^2}.
  • An den Intervallenden ist unterschiedliches Verhalten möglich: Die Reihe von ln⁡(1+x)\ln(1 + x) um 0 konvergiert bei x=1x = 1 (gegen ln⁡2\ln 2), aber nicht bei x=−1x = -1; die von 1/(1−x)1/(1 - x) konvergiert an keinem Ende, die von 1+x\sqrt{1 + x} an beiden.
  • Bei a=0a = 0 enthält sin⁡x\sin x nur ungerade Potenzen und cos⁡x\cos x nur gerade. Daher sind P2mP_{2m} und P2m−1P_{2m-1} des Sinus dasselbe Polynom. n → ∞ überspringt solche Nullterme, sodass jeder Schritt die Kurve verändert.
  • Konvergenz allein bedeutet nicht, dass die Summe gleich ff ist. Die Funktion mit dem Wert e−1/x2e^{-1/x^2} für x≠0x \ne 0 und dem Wert 0 bei 0 hat bei 0 nur verschwindende Ableitungen. Ihre Taylorreihe dort ist deshalb für alle xx gleich 0.
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Anwendungen

  • In der Physik behält man nahe einer Stelle die ersten Terme bei: sin⁡θ≈θ\sin\theta \approx \theta für kleine Pendelschwingungen, und (1−v2/c2)−1/2≈1+v2/(2c2)(1 - v^2/c^2)^{-1/2} \approx 1 + v^2/(2c^2) führt bei kleinen Geschwindigkeiten von der relativistischen kinetischen Energie zu 12mv2\tfrac12 mv^2.
  • Das Restglied zeigt, wie viele Terme eine Berechnung benötigt: Die Summe von 1/k!1/k! für k=0k = 0 bis 1010, also P10(1)P_{10}(1) für exe^x, nähert ee bereits mit einem Fehler unter 3×10−83 \times 10^{-8} an.
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Bedienung

  • Drehe den Regler Grad oder drücke n → ∞, um jeweils den nächsten Term mit einem von null verschiedenen Koeffizienten hinzuzufügen, bis n=30n = 30 (erneutes Drücken am Ende startet wieder bei 0). Ziehe den blauen Punkt oder die Achsenmarkierung, um die Entwicklungsstelle zu verschieben; die Tasten für markante Entwicklungsstellen springen zu exakten Werten.
  • Der Streifen unter dem Diagramm zeigt ∣f−Pn∣|f - P_n| über die gesamte Diagrammbreite auf einer logarithmischen Skala. Der Präsentationsmodus öffnet eine Vollbildansicht für Projektoren (Leertaste fügt Terme hinzu, ← → ändern den Grad, H blendet den Radius aus).
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